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Betreuung braucht eine Vollmacht

Im allgemeinen Sprachgebrauch brauchen Menschen, welche nicht in der Lage sind ihre Dinge ohne Hilfe von außen zu erledigen, eine Betreuung. Dabei reicht das Spektrum der Unterstützung vom einfachen Anziehen am Morgen, über die Körperpflege, das Einkaufen bis hin zur Besorgung des ganzen Haushaltes. In den meisten Fällen wird diese Unterstützung durch die Familie geleistet. Wenn dies nicht mehr möglich ist, muss eine Institution mit betreutem Wohnen ins Auge gefasst werden. Mit Betreuung im rechtlichen Sinne hat das alles allerdings nichts zu tun.

Fatale Sprachverwirrung

Tatsächlich vermischen Laien die Begriffe »Betreuung« und »Pflege« sehr häufig. Im rechtlichen Sinne ist eine Betreuung ein Vorgang, bei welchem man die Betreuten gegen außen hin vertritt. Ein Betreuer nimmt also eine Stellvertreterposition ein, bei welchem er oder sie die Interessen der betreuten Person gegenüber anderen (Bank, Ämter, Firmen, Ärzte, Vermieter, etc.) vertritt.

Anders bei der Pflege. Sie ist sozusagen das Gegenstück der Betreuung. Hier steht nicht die Außenwelt in Zentrum der Bemühungen, sondern die direkten Dienste an der betroffenen Person (Körperpflege, Haushaltsarbeiten, Ernährung, etc.). Die Pflege springt jeweils dort ein, wo eine Fähigkeit abhandengekommen ist (oder von Geburt aus gefehlt hat), Handlungen vorzunehmen, welche das direkte Überleben sichern oder es zumindest angenehmer gestalten.

In der gelebten Praxis werden diese beiden unterschiedlichen Bereiche gerne miteinander vermengt. Das kann zwar vorkommen – etwa, wenn Pflege und Betreuung durch die Tochter vorgenommen werden – ist aber keineswegs zwingend. So darf man von einem amtlichen Berufsbetreuer nicht erwarten, dass er sich um die Körperhygiene seiner Kunden kümmert. Seine Aufgabe ist es lediglich dafür zu sorgen, dass sich jemand darum kümmert.

Umgekehrt können viele ältere Menschen darauf vertrauen, dass sie von ihren Kindern im Alter gepflegt werden. Damit ist aber keineswegs automatisch das Recht verbunden, dass sich diese auch um die Rechtsgeschäfte kümmern dürfen. Dazu braucht es entweder eine Vollmacht von der zu betreuenden Person oder eine richterliche Verfügung durch das Betreuungsgericht. Automatisch geht in dieser Frage gar nichts.

Kein automatisches Vertretungsrecht

Letzteres ist den meisten Menschen leider noch immer nicht bewusst. Sie sind vielmehr festen Glaubens, dass sie im Bedarfsfalle von ihren nahen Verwandten nicht nur gepflegt, sondern auch vertreten werden. Ein automatisches Vertretungsrecht für Kinder, Eltern oder Ehegatte sieht das deutsche Recht jedoch ganz bewusst nicht vor.