Mit einer Patientenverfügung behalten Sie auch dann die Kontrolle über Ihr Schicksal, wenn Sie dazu nach einer Krankheit, einem Unfall oder einfach von Alters wegen eigentlich nicht mehr in der Lage sind. Damit dies so ist, hat der Bundestag im Jahr 2009 das BGB so angepasst, dass Ihrer Patientenverfügung eine verbindliche, rechtswirksame Wirkung entfalten kann.

Eine Patientenverfügung zu verfassen ist an sich eine ganz einfache Angelegenheit. Zum einen, weil es dazu keine Formvorschriften gibt und zum andern, weil es eine Vielzahl von Vorlagen als Druckstück oder im Netz gibt, welche man entweder kostenlos oder für kleines Geld erwerben kann. Damit eine Patientenverfügung im Bedarfsfall aber auch tatsächlich praktikabel ist und zum gewünschten Ergebnis führt, müssen aber trotzdem einige Dinge beachtet werden.

Dieser Artikel führt Sie in einfacher und verständlicher Weise in das Thema ein, zeigt wie Sie die wichtigsten Klippen sicher umschiffen können und wie Sie Ihren Angehörigen das Leben ganz massiv erleichtern können. Am Ende des Beitrages werden dann noch die wichtigsten Fragen beantwortet.

Was soll mit mir geschehen, wenn ich krank oder verletzt und gleichzeitig nicht mehr in der Lage bin, meine Vorstellungen zu äußern?

Der medizinische Fortschritt: Fluch oder Segen?

In den letzten hundert Jahren hat der medizinische Fortschritt unser Leben in einer unglaublichen Geschwindigkeit verändert: Krankheiten wurden besiegt, Fehlfunktionen können korrigiert, Heilungschancen verbessert und Behinderungen vermieden werden. Das gesammelte Potential der vorhandenen Möglichkeiten hat dazu geführt, dass die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland geradezu explodiert ist. Lag die durchschnittliche Lebenserwartung im Jahr 1970 noch bei rund 68 Jahren, müssen die Jugendlichen von heute damit rechnen, dass sie im Schnitt älter wie hundert Jahre alt werden.

Das hängt allerdings nicht alleine mit den Fortschritten bei Heilung und Prävention zusammen. Immer mehr wird die Medizintechnik dazu verwendet, Leben zu verlängern und zu erhalten. Und das auch dort, wo weder Heilungschancen, noch die Aussicht auf ein selbständiges Leben besteht.

Denn ein Leben zu retten und es zu erhalten ist inzwischen nicht mehr nur ein Element der zwischenmenschlichen Fürsorge, sondern ein ausgesprochen lukrativer Industriezweig, in welchem sich die Humanität gegenüber dem Renditestreben behaupten muss.

Nicht alles was machbar ist…

Besonders problematisch wird es dort, wo die Patienten nicht mehr selber fähig sind Entscheidungen zu fällen, Wünsche zu äußern oder Leistungen zu verweigern. Hier riskiert man als Patient, dass die Ärzteschaft das technisch Mögliche ausreizt. Die Gründe für medizinische Exzesse sind mannigfaltig:

Der technokratische Fluss der Dinge: man versucht prinzipiell alles Mögliche, um einen Patienten nicht zu verlieren.

  • Der Patient als lukrative Einnahmequelle, welche mithilft die vorhandene Infrastruktur zu refinanzieren (und dem Chefarzt zusätzliche Einnahmen zu verschaffen).
  • Der Ehrgeiz eines Arztes, einer Ärztin das Unmögliche möglich zu machen.
  • Der Forschungseifer eines Professors.
  • Die Unfähigkeit von Hinterbliebenen loszulassen, weshalb man die Ärzteschaft unter Druck setzt.

Das Problem dabei ist, dass eine allgemeinverbindliche Grenzziehung – was soll im Ernstfall gemacht und was unterlassen werden – nicht möglich ist. Sie hängt nicht nur von der sachlichen Grundlage des medizinischen Einzelfalls ab, sondern auch von der individuell gefärbten Beurteilung der indirekt Betroffenen (Angehörige, Mediziner, Richter, etc.).

Die Sicht des Patienten muss klar zur Geltung kommen

Was in dieser Aufzählung naturgemäß fehlt, sind die Direktbetroffenen, welche in dieser Situation nicht mehr gefragt werden können. Und darin liegt die Krux bei der Berücksichtigung des Patientenwillens:

Zwar steht den Bürgern mit der Patientenverfügung inzwischen ein starkes Instrument zur Verfügung, um den eigenen Willen auszudrücken und rechtliche Geltung zu verschaffen. Allerdings ist diese Patientenverfügung eine allgemeingültige Willensäußerung, welche logischerweise nicht jede Einzelsituation zu 100% abbilden kann.

Umso wichtiger ist es, dass eine Patientenverfügung mit großer Sorgfalt erstellt wird und der eigene Wille darin eindeutig zum Ausdruck kommt. Soviel vorneweg: Alleine mit einem Multiple-Choice-Formular lässt sich der eigene Wille kaum hinlänglich glaubwürdig darstellen. Um eine Entscheidung von so extremer Tragweite zu fällen, sollte man sich (in den Augen der Justiz) intensiv mit der Thematik auseinandersetzen. Ein Kreuzchen bei – ich will nicht künstlich am Leben erhalten werden – erscheint den meisten Richtern als wenig fundierte Aussage, um über Leben oder Tod eines Menschen entscheiden zu können.

Wir zeigen Ihnen nachfolgend, worauf Sie zu achten haben, wie Sie die Patientenverfügung richtig aufsetzen und welche Begleitmaßnahmen hilfreich sind, um Ihren Willen im konkreten Einzelfall durchzusetzen und dabei ganz nebenbei allen Beteiligten die Entscheidung zu erleichtern.

Eine Patientenverfügung richtig aufsetzen

In der Theorie ist alles ganz einfach: jede volljährige Person kann ohne irgendwelche Einschränkungen Regelungen treffen, wie sie im Falle von schweren Krankheiten und Verletzungen ärztlich behandelt werden will. Eigentliche Formvorschriften bestehen nicht, doch ist eine Niederschrift aus nachvollziehbaren Gründen sinnvoll.

Es gibt hierzu im Netz (und auch am Ende dieses Beitrages) eine ganze Reihe von Vorlagen. Sie tun gut daran eine dieser Vorlagen als Basis zu verwenden. Warum? Weil damit verhindert wird, dass Sie aus Versehen oder aus Unkenntnis nur eine Teilregelung treffen.

Bei einer Patientenerklärung geht es nicht darum, was Sie wollen, sondern was Sie nicht wollen!

Unser Gesundheitswesen ist darauf ausgelegt gefährdetes Leben mit allen verfügbaren Mitteln zu erhalten. Über den Einsatz dieser Mittel entscheidet der Arzt. Wenn Sie von einer bestimmten Therapie nicht Gebrauch machen wollen, müssen Sie dieser widersprechen. Wenn sie ihr nicht widersprechen, wird sie durchgeführt. Wenn also Ihre Regelung Lücken aufweist, wird innerhalb dieser Lücke therapiert.

Vorlagen bieten Hilfestellung

Gerade als Laie ist es praktisch unmöglich ohne Vorlage alle wesentlichen Therapiefelder zu kennen. Gute Vorlagen helfen dabei, das Feld der Möglichkeiten umfassend zu erkennen.

Diese Vorlagen können Sie entweder direkt nutzen (etwa, indem Sie sie ausdrucken und mit Hand die Fragen beantworten) oder indirekt, indem Sie die Vorlage nur als Grundlage für Ihre Verfügung nutzen. Sie sind da völlig frei.

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Sie müssen nämlich darauf achten, dass Ihr Wille auch wirklich glaubhaft erkennbar ist. 15 Kreuzchen und eine Unterschrift reichen dafür nicht aus. Es braucht ein gewisses Maß an Individualität. Dies kann zum Beispiel geschehen, dass Sie kurz ihre Beweggründe und ihre Vorstellungen darlegen. Eine solche Ergänzung ist nicht nur wichtig, um im Bedarfsfall Richter und Ärzte von der Ernsthaftigkeit Ihrer Patientenverfügung zu überzeugen. Allgemeine Anweisungen helfen mit Interpretationsfälle in Ihrem Sinne zu lösen und Lücken zu füllen.

Der Schutz des Lebens ist ein hohes Gut. Ärzte und Richter werden deshalb versuchen, Sie vor fahrlässigen Entscheidungen zu schützen!

Eine Patientenverfügung ist ein mächtiges Mittel, mit welchem Sie weitgehende Regelungen treffen können. Aber der Schutz Ihres freien Willens ist nicht absolut. So kann es etwa sein, dass eine Vorgabe auf der Basis falscher oder unvollständiger Informationen getroffen wurde. Oder sich die Technik inzwischen radikal geändert hat. Oder der Eindruck besteht, dass die Verfügung fahrlässig, etwa im Rahmen einer Depression, erlassen wurde und der Patient heute anders entscheiden würde.

In solchen Fällen wird ein Arzt sich wohl weigern, eine lebensverlängernde Maßnahme unterbleiben zu lassen. Denn allen kommerziellen Aspekten des Arztberufes zum Trotz: Mediziner sind keine Dienstleister des Todes, sondern versuchen Leben zu retten.

Im Zweifelsfalle wird deshalb ein Richter darüber befinden, ob den Anweisungen tatsächlich Folge geleistet werden soll. Und wenn die Patientenverfügung nicht glaubhaft beweist, dass der Patient diese nicht fahrlässig, dumm oder im Rahmen einer Kurzschlusshandlung verfasst hat, wird sie nicht anerkannt. Multiple-Choice und unveränderte Mustervorlagen sind darum nicht geeignet den wahren Willen der Patienten zu dokumentieren.

Lassen Sie sich fachlich fundiert informieren

Eine weitere hilfreiche Maßnahme, Zweifel über die Ernsthaftigkeit der eigenen Verfügungen zu beseitigen, ist die fachliche Beratung. Lassen Sie sich von einer medizinischen Fachperson, am besten natürlich einem Arzt oder Ärztin, informieren.

Die gängigen Vorlagen sind alle mit einer Vielzahl von Fachbegriffen bestückt, welche für Laien nur schwer zu verstehen sind. Eine Fachperson kann Ihnen diese Begriffe nicht nur erklären, sie ist auch fähig die Prozesse zu veranschaulichen:

  • Wie sehen die beschriebenen Krankheits- oder Verletzungsbilder konkret aus?
  • Welche Therapien gibt es und welche Erfolgsaussichten bestehen?
  • Was sind die möglichen Nebenwirkungen und Folgen?

So informiert, können Sie nicht nur aus Sicht der behandelnden Ärzte und der Richter eine fundierte Entscheidung fällen. Eine fundierte Beratung schafft auch für Sie eine sichere Entscheidungsgrundlage.

Tipp: Lassen Sie sich die fachliche Beratung am bestem auf Ihrer Patientenverfügung testieren!

Wer setzt Ihren Willen durch?

Wahrscheinlich haben Sie bereits erkannt, dass es unter Umständen nicht genügt, seinen Willen zu Papier gebracht zu haben. Sobald der behandelnde Arzt das Gefühl hat, er könne den Patient retten, fangen die Probleme an. Denn wie gesagt: Die Ärzte sehen sich nicht als Sterbehelfer, sondern sind verpflichtet Leben zu retten.

Besteht nämlich eine Diskrepanz zwischen der Einschätzung des Arztes und dem Wunsch des Patienten, kommt der Fall vor den Richter. Dieser hat zu entscheiden, ob:

  • die getroffene Regelung auf den spezifischen Fall überhaupt zutrifft
  • die technischen Möglichkeiten sich inzwischen derart verbessert haben, dass die vom Patienten befürchteten Folgen vermieden werden können, bzw. stark vermindert werden
  • sich der Patient auch heute noch so entscheiden würde, da der Fall nun nicht mehr abstrakt, sondern sehr konkret ist
  • der Patient überhaupt geschäftsfähig war, als er die Patientenverfügung formuliert hat

Bestehen nämlich Zweifel über die Ernsthaftigkeit der getroffenen Verfügungen oder die Sinnhaftigkeit (angesichts des Fortschrittes der Technik), wird ein Richter einen Arzt / eine Ärztin nicht dazu verpflichten, seinen Patienten / Patientin in den Tod zu schicken.

Stellt sich die Frage, wer den Patienten gegenüber dem Arzt und vor dem Richter vertritt? Ohne entsprechende Regelung niemand! Weder der Ehegatte / die Ehegattin, noch die Kinder sind von Gesetzes wegen bevollmächtigt und berechtigt zu dieser Vertretung. Hier unterliegen die allermeisten Menschen einem fatalen Irrtum: Niemand genießt in Bezug auf die Vertretungsvollmacht ein Sonderrecht. Außer es wurde ihm per schriftlicher Vollmacht verliehen!

Eine Patientenverfügung sollte deshalb immer mit einer (Vorsorge-)Vollmacht verbunden sein. Nur so ist gewährleistet, dass die betroffene Person im Bedarfsfall auch tatsächlich in ihrem Sinne vertreten werden kann. Ohne Vollmacht haben auch die Angehörigen keine besonderen Rechte – man denke nur an die ärztliche Schweigepflicht.

Die große Last der Entscheidung

Mit einer solchen Vollmacht ist es aber nicht getan. Stellen Sie sich einmal vor, jemand würde sein Leben in Ihre Hände legen und Sie müssten von einer Sekunde auf die andere darüber entscheiden, ob der Mensch nun sterben soll oder nicht. Sicherlich können Sie nachvollziehen, dass ein solcher Entscheid emotional schwer belastend ist. Insbesondere dann, wenn man diesem Menschen sehr nahesteht.

Wer einen Menschen über Tod oder Leben entscheiden lässt, handelt rücksichtslos und egoistisch!

Ohne Vorbereitung auf diese Situation stellt ein solcher Entscheid für die allermeisten Menschen eine große Belastung, ja eine eigentliche Zumutung dar: Es kann doch nicht sein, dass man sein eigenes Wohlbefinden zu Lasten des seelischen Gleichgewichtes eines anderen Menschen regelt!

Dieser Zwickmühle kann man nur entgehen, indem die bevollmächtigte Person zum einen so ausgewählt wird, dass Sie mit diesem Druck mutmaßlich umzugehen weiß. Und zum andern, indem man eine Situation schafft, wo die Entscheidung keine eigene ist, sondern tatsächlich lediglich der Vollzug einer von Ihnen bereits gefällten.

Das geht allerdings nur, wenn Sie sich nicht darauf beschränken Regelungen zu treffen („Ich will nicht künstlich beatmet werden!“), sondern erklären, weshalb Sie das nicht wollen. Und zwar ausführlich. Solche schriftlich formulierten Beweggründe nehmen nicht nur Druck von der bevollmächtigten Person, sondern helfen Arzt und Richter gleichzeitig bei Ihrer verbindlichen Entscheidung über Tod oder Weiterleben.

Machen Sie sich das Leben nicht zu leicht

Machen Sie es sich also mit Ihrer Patientenverfügung nicht leicht, sondern befassen Sie sich intensiv damit und lassen Sie die Welt teilhaben, an Ihren Gedankengängen. Sie erleichtern allen Beteiligten das Leben. Besonders natürlich der bevollmächtigten Person. Denn die muss ja unter Umständen nicht nur mit dem Entscheid fertig werden, sondern auch mit Vorwürfen aus dem Umfeld. Menschen, welche nicht loslassen können oder wollten. Menschen welche ein emotionales oder ein finanzielles (z.B. wegen eines Rentenanspruchs) Interesse daran haben, dass Sie weiterleben. Egal wie…

Mit einer ausführlichen Erklärung schützen Sie jene Person, welche Ihre Interessen schützt. Das ist doch nicht mehr als fair, finden Sie nicht? Es empfiehlt sich zudem, mit dem betreffenden Menschen intensive Gespräche über das Thema zu führen, damit diese Ihre Beweggründe verstehen und akzeptieren kann. Je besser Ihnen das gelingt, desto leichter fällt es dem Menschen Ihre Position einzunehmen. Desto sicherer setzt er Ihre Vorstellungen um. Desto weniger belastet ihn die Entscheidung auf Dauer.

Es schadet in diesem Zusammenhang natürlich nicht, wenn sie diese Gespräche mit ihrem ganzen, relevanten Umfeld führen. Damit bauen Sie bereits im Vorfeld einiges an Konfliktpotential in der Familie oder im Freundeskreis ab. Eine solche Maßnahme gebietet der Anstand.

Auswahlkriterien für eine bevollmächtigte Person

Eine Bevollmächtigung sollte man nicht leichtfertig aussprechen. Wer vorausschauend mit einer Patientenverfügung vorsorgt, sollte in der Lage sein auch hier umsichtig zu handeln. Folgende Aspekte sollte man bei der Wahl berücksichtigen:

  • Ist die betreffende Person in der Lage die Aufgabe emotional zu bewältigen?
  • Hat sie die Fähigkeit sich gegen Widerstände durchzusetzen?
  • Ist sie auch Willens, Ihre Anordnungen auszuführen?
  • Wird sie aller Voraussicht nach dazu auch körperlich noch in der Lage sein?

Erfahrungsgemäß wird oft der letzte Punkt falsch eingeschätzt. Die bevollmächtigte Person sollte a.) am besten jünger sein, als man selber und b.) einen Stellvertreter haben, falls sie nicht mehr lebt, selber krank ist oder aus irgendwelchen anderen Gründen nicht Vorort sein kann.

Sie können also, nein Sie müssen, zu Ihrer Sicherheit mehrere Personen mit einer (Vorsorge-) Vollmacht ausstatten. Dabei ist aber darauf zu achten, dass nicht neue Streit- und Konfliktpunkte auftreten. So sind sie gut beraten eine Rangfolge zu definieren (Ich bevollmächtige… bei dessen Fehlen…) und auf Regelungen zu verzichten, die eine gemeinsame Entscheidung vorsehen. Damit verhindern Sie Streit und Entscheidungsunfähigkeit, weil die Bevollmächtigten sich uneins sind.

Vollmachten und Verfügungen müssen verfügbar sein

Damit eine Patientenverfügung ihre Wirkung entfalten kann, sollte sie im Bedarfsfall verfügbar sein. In irgendeiner Schublade versteckt, nützt sie nämlich nichts.

Auch hier gibt es keine Formvorschrift – aber inzwischen eine anerkannte Lösung: gegen kleines Geld können Patientenverfügung und (Vorsorge-) Vollmacht bei der Bundesnotarkammer hinterlegt werden.

http://www.vorsorgeregister.de/

Einen kleinen Haken hat diese Hinterlegung allerdings: die Verfügbarkeit ist eingeschränkt auf die Bürozeiten. Es schadet deshalb nicht, wenn Sie eine Kopie / eine zweite Ausfertigung der bevollmächtigten Person übergeben.

 

Fragen und Antworten zur Patientenverfügung

Hier finden Sie in verkürzter Form alle wesentlichen Antworten auf Ihre Fragen zur Patientenverfügung. Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, können Sie diese direkt per Mail an unsere Redaktion richten: redaktion@vorsorgeportal.org

Wer sollte eine Patientenverfügung einrichten?

Eigentlich alle, denn mit einer Patientenverfügung sorgt man nicht nur für sich. In einem medizinischen Notfall kommen auch die Angehörigen in Stress, weil sie u.U. über Leben und Tod entscheiden müssen. Mit einer klaren Entscheidungsgrundlage hilft man Ihnen mit dieser Situation besser zurecht zu kommen.

Wer klare Vorstellungen davon hat, wo für ihn die Würde des Lebens beginnt und wo sie endet, steht mit der Patientenverfügung ein wirkungsvolles Werkzeug zur Verfügung, um bis zuletzt Herr (bzw. Herrin) seines eigenen Schicksals zu bleiben.

Wer Angst hat, dass der eigene Körper gegen seinen Willen als Ersatzteillager Verwendung findet, als Forschungsobjekt endet oder zur Gewinnoptimierung des medizinischen Apparates missbraucht wird, kann dies ebenfalls wirkungsvoll verhindern, indem er/sie rechtzeitig eine Regelung trifft, die eben dies verhindert.

Wann ist der richtige Zeitpunkt um eine Verfügung einzurichten?

Die meisten Menschen denken, dass eine Patientenverfügung etwas für alte Menschen sei. Rein statistisch ist der Bedarf im Alter sicherlich höher. Allerdings werden auch junge Menschen krank, leiden unter Fehlfunktionen des Körpers oder werden Opfer eines schrecklichen Unfalls. Entsprechend ist es nie zu früh eine Vorsorgevollmacht auszustellen und Regelungen für den medizinischen Notfall zu treffen. Nicht selten ist es jedoch zu spät, weil das fatale Ereignis völlig überraschend eingetreten ist.

Was kostet eine Patientenverfügung?

Nichts. Die meisten passenden Vorlagen sind völlig kostenlos im Netz zu erhalten. Einige Anbieter verlangen Geld – ob Sie dafür einen Mehrwert bieten können ist allerdings mehr als fraglich. Kosten sind bestenfalls dann gerechtfertigt, wenn eine fundierte Informationsbroschüre mitgeliefert wird.

Wo bekommt man passende Vorlagen?

 

Welche Formvorschriften gibt es zu beachten?

Es gibt für die Patientenverfügung keine Formvorschriften. Natürlich macht es aber aus Beweisgründen und Wegen der Nachvollziehbarkeit Sinn, seine Vorstellungen zu Papier zu bringen.

Für die Vorsorgevollmacht – welche Sie unbedingt mit der Patientenverfügung kombinieren sollten – kann eine notarielle Vollmacht gefordert sein. Das gilt für alle Bereiche, in denen das BGB eine notarielle Beglaubigung verlangt.

Braucht es einen juristischen Beistand?

Nein. Die meisten Juristen haben von der Patientenverfügung kaum mehr Ahnung als Sie selber. Fachliche Unterstützung brauchen Sie nicht von Anwälten, sondern von einem Arzt oder einer Ärztin Ihres Vertrauens.

Brauche ich eine medizinische Beratung?

Eine medizinische Beratung ist empfehlenswert. Zum einen, um die Tragweite eines Entscheides für oder gegen eine Behandlung verstehen zu können. Und zum andern, um im Streitfall (also immer dann, wenn der Arzt der Meinung ist, dass Sie einer Fehleinschätzung zum Opfer gefallen sind) glaubwürdig dokumentieren zu können, dass Sie sich die Entscheidung nicht zu leichtgemacht haben. Eine ärztliche Beratung sichert ihre Patientenverfügung vor dem Richter ab.

Was muss alles in eine Patientenverfügung?

Alles was Ihnen wichtig ist. Eine Vorlage, sei sie auch noch so umfassend, stellt nur eine Gedankenstütze dar. Sie kann deshalb angepasst, gekürzt oder ergänzt werden. Ganz nach Ihrem freien Willen.

Braucht es eine Vollmacht?

Auf jeden Fall! Ohne Vollmacht ist Ihre Patientenverfügung im Bedarfsfall nur halb so viel wert. Denn wenn der Arzt Zweifel hegt, ob die Patientenvollmacht den aktuellen Willen des Patienten widerspiegelt, wird er sich unter Umständen weigern die Anweisungen umzusetzen. Ohne eine bevollmächtigte Person steht der behandelnde Arzt dann mit seiner Argumentation alleine vor dem Richter. Nur wenn eine bevollmächtigte Person die Interessen des Patienten glaubhaft vertritt, ist garantiert, dass dieser bis zum Schluss (indirekt) die Kontrolle über sein Schicksal hat.

Wem soll ich eine Vollmacht geben?

Heikle Frage, weil es bei der Verteilung einer Vollmacht natürlich auch immer um die Befindlichkeiten des Umfeldes geht. Aber Hand aufs Herz: Bei einer Patientenverfügung geht es nicht darum, Familienpolitik zu betreiben. Es geht vielmehr um die Absicherung des eigenen Willens. Entsprechend ist das entscheidende Kriterium nicht die persönliche Nähe, sondern die Verlässlichkeit und die Durchsetzungskraft der eingesetzten Person. Gehen Sie offen mit dieser Argumentation um, dann wird ihr Umfeld Sie auch verstehen und die Wahl akzeptieren.

Achten Sie darauf, dass die bevollmächtigte Person nicht älter, sondern tendenziell jünger ist als Sie. Sorgen Sie dafür, dass eine oder zwei Personen als Ersatzbevollmächtigte bereitstehen. Diese sollten im Idealfall eine Generation jünger sein als Sie selber.

Wo deponiert man eine Patientenverfügung?

Das Entscheidende bei einer Patientenverfügung ist deren Verfügbarkeit im Bedarfsfall. Natürlich können sie dieses Dokument in irgendeiner Schublade bei sich zuhause deponieren. Die Frage ist nur, ob man sie dann im Notfall sofort findet.

Sinnvoller ist, wenn sie bei der Bundesnotarkammer in Berlin hinterlegt wird. Kostet nicht viel, ist aber sehr wirkungsvoll, weil es der erste Ort ist, wo man suchen wird. Weil der Zugriff allerdings auf die Geschäftszeiten beschränkt ist, sollten Sie eine Kopie der Patientenverfügung (nicht eine Variante, sondern eine identische Abschrift) so deponieren, dass einer der bevollmächtigten Personen Zugriff darauf hat.

Kann ich eine Verfügung ändern, anpassen, zurückziehen?

Ihre Patientenverfügung können Sie ohne jeden Aufwand jederzeit für ändern, umschreiben oder für nichtig erklären. Auch hier gibt es keine Formvorschriften: Ist die Erklärung weg, hat sie keine Wirkung.

Achten Sie aber darauf, dass die aktuelle Version immer bei der Bundesnotarkammer in Berlin hinterlegt ist, damit es zu keinen Irrtümern und Missverständnissen kommt.

Ist eine Patientenverfügung anfechtbar?

Ja, das ist denkbar. Etwa, wenn sich vom Zeitpunkt des Aufsetzens der Patientenverfügung bis zum Eintritt des Notfalles, die Medizin derart rasant weiterentwickelt hat, dass die befürchteten Folgen eines Eingriffes mehr oder minder ganz wegfallen. Angesichts dieser Erkenntnis würde der Patient wohl anders entscheiden.

Ob dies der Fall ist hängt davon ab, wie gut die Dokumentation der Beweggründe in der Patientenverfügung ist. Wurde einfach nur eine Formvorlage verwendet und mittels Multiple-Choice die vorgegebenen Optionen ausgewählt, steht die Verfügung auf schwachen Beinen. Wurden die Hintergründe aber ausführlich dargelegt und zwar nicht nur in der Patientenverfügung selber, sondern auch in Gesprächen mit Verwandten und Bevollmächtigten, hat die Verfügung eine solide Basis und wird wohl vom Richter anerkannt (so sie plausibel ist).

Werden meine Verfügungen uneingeschränkt umgesetzt?

Grundsätzlich sind Sie bei der Ausgestaltung Ihrer Patientenverfügung sehr frei. Es ist jedoch wie überall im Leben: Ihre Freiheit hört dort auf, wo die Rechte der anderen beginnen. Sie können niemanden zwingen, etwas gegen seinen eigenen Willen zu tun oder gegen geltendes Recht zu verstoßen.

Es gibt keinen medizinisch begleiteten Selbstmord in Deutschland. Sobald sie hier eine Grenze überschreiten – etwa, wenn Sie den Arzt zwingen wollen, Sie in den Tod zu schicken, obwohl er Sie mit einem relativ sicheren Eingriff retten könnte – kann es sein, dass Einspruch erhoben wird und der Richter entscheiden muss, ob Ihre Anordnung im Gesamtzusammenhang Sinn macht und deshalb akzeptiert werden muss.